Leben im Rhythmus von Gebet, lectio divina und Arbeit

Karmel_HlFigurKaum anderswo zeigt sich das Selbstverständnis einer Karmelitin deutlicher als bei der Arbeit. Dies ist für “Menschen von heute” vielleicht am Schwierigsten nachzuvollziehen. Alles in unserer Gesellschaft ist orientiert an den Werten der Leistung und des Erfolgs. Diese werden zunächst durch die Erziehung grundgelegt. Es bedarf daher eines langsamen “Umformungsprozesses”, bis die Schwester gelernt hat, daß es nicht darauf ankommt, WAS man arbeitet, sondern WIE. Die Karmelitin definiert sich nicht durch ihre Tätigkeit, sondern durch die darin zugrunde liegende Haltung: alles aus Liebe zu tun, alles für Christus zu tun, alles in Gottes Gegenwart zu verrichten.

“Denn der Herr schaut weniger auf die Größe der Werke als vielmehr auf die Liebe, mit der sie getan werden (Vgl. Teresa von Avila, VII M 4,15).”

Nichts desto weniger ist die Arbeit zum einen für unsere Existenzsicherung notwendig. Teresa wollte, daß die Schwestern ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit erwerben können und gab ihnen sogar ausdrücklich die Anweisung, eine Arbeit, die zu wenig einbringt, nicht anzunehmen. Zum anderen ist sie Zeichen der Solidarität mit den Armen.

Um ein stetes Hineinwachsen in eine liebende Haltung zu ermöglichen, vollzieht sich der Tag in einem Rhythmus von Gebet, lectio divina und Arbeit.

Die lectio divina, die geistliche Lesung, ist eine alte monastische Übung. Durch das Lesen in der Hl. Schrift, durch das Studium der Kirchenväter und anderer geistlicher Literatur soll das geistliche Leben der Schwester Nahrung erhalten, sollen alle Seelenkräfte des Menschen auf Gott hin ausgerichtet werden, auch die Vernunft. Um eine ganzheitliche Ausrichtung auf Gott zu ermöglichen, ist es wichtig, daß der lectio divina genügend Raum gegeben wird. Die Arbeitsbereiche in unserem Kloster sind sehr vielfältig und man achtet heute darauf, die Schwestern auch entsprechend ihren Begabungen einzusetzen, so weit das möglich ist. Neben den anfallenden häuslichen Arbeiten verdienen wir unseren Lebensunterhalt mit dem Betreiben einer Hostienbäckerei, mit einem Buchversand, einer Kerzenwerkstatt und durch das Edith Stein-Archiv.