Spiritualität des Karmel
1. Kurze historische Einordnung
2. Biblische Quellen unserer Spiritualität
- Elia
- Maria
3. Spiritualität unserer Ordenseltern
- Teresa von Jesus
- Johannes vom Kreuz













1. Kurze historische Einordnung

Der "Orden der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel", entlehnt seine Kurzbezeichnung "Karmel" von dem Gebirgszug "Karmel" im Nordwesten Israels. Dort ist der geographische Ursprung unseres Ordens. Im ausgehenden 12. Jahrhundert haben sich auf dem Gebirgszug Einsiedler um die so genannte "Quelle des Elia" niedergelassen. Zwischen 1206 und 1214 hat sich die Eremitengemeinschaft mit der Bitte an den Patriarchen von Jerusalem, den sl. Albert Avogadro, gewendet, ihre Lebensweise durch Abfassung einer "formula vitae" zu bestätigen. . Diese wurde am 30.1.1226 durch Papst Honorius III. offiziell auch als Ordensregel anerkannt und stellt bis heute die rechtliche und geistliche Grundlage unserer Lebensform dar.


Regelübergabe durch Albert



















Allerdings erlitt sie im Laufe der Ordensgeschichte einige Veränderungen. Als die Karmeliten sich 1238 durch das Vordringen der Muslimen gezwungen sahen, den Berg Karmel zu verlassen und nach Europa auszuwandern, konnten sie ihre streng eremitische Lebensform aufgrund der veränderten klimatischen und kulturellen Gegebenheiten nicht in dieser Weise fortsetzten. Sie wandten sich daher unter dem Ordensgeneral Simon Stock an Papst Innozenz IV. mit der Bitte, ihre Regel zu modifizieren. Es erfolgte eine durch die Gesetzgebung erwirkte Mendikantisierung des Eremitenordens. Charakteristisch wurde nun:

- Leben in Städten
- Predigt und Seelsorge
- Empfang von Almosen


Freilich blieb die kontemplative Ausrichtung im Orden erhalten. Unter Papst Eugen IV. erfolgte am 15.2 1432 eine weitere Milderung der Regel vor allem bezüglich der Abstinenzvorschriften.
Erst unter dem sl. Ordensgeneral Johannes Soreth übernahm der Orden auch die "cura monialium" und es wurden ihm 1452 erstmals Frauen eingegliedert, die aber von Anfang an ein kontemplatives Leben führten.
Im Laufe der Zeit kam es zu Verfallserscheinungen in der Ordensdisziplin. Das war der Ansatzpunkt für die Teresianische Reform, die unter Teresa von Avila in Spanien zur Abspaltung der Reformbewegung und schließlich zur Entstehung eines neuen Ordenszweiges "Den Unbeschuhten Karmeliten/innen" führte. Teresas Anliegen war die Rückkehr zu den Quellen:

- Schwerpunkt: inneres Beten als Freundschaft mit Gott
- Wiederbelebung des eremitschen Charakters
- Leben in Zurückgezogenheit und in Klausur
- kleine Gemeinschaften von max. 21 Schwestern
- strenge Armut


Schnell breitete sich der Reformweig von Spanien über ganz Europa aus. Bereits 1637 kam es zur ersten deutschen Gründung in Köln.


































2. Bibilische Quellen unserer Spiritualität




  • Elia in der Spiritualität des Ordens

Der Prophet Elia, der sich nach den Zeugnissen des Alten Testamentes
an einer Quelle auf dem Berg Karmel niedergelassen hatte, gilt von den Ursprüngen des Ordens an als Identifikationsfigur. Da sich die Karmeliten in Konkurrenz zu den anderen Mendikantenorden auf
















keinen hl. Gründer zurückführen konnten, wurde der Prophet Elia als Gründer und als geistlicher Vater ihres Ordens angesehen. Freilich ist dies nicht im historischen Sinn zu verstehen, sondern geistlich. Elia galt als Vorbild eremitischen und kontemplativen Lebens.

"Gott lebt, vor dessen Angesicht ich stehe!
(1 Kön 18,15)"
"Ich brenne voll Eifer für die Ehre des Herrn der Heerscharen.
(1 Kön 19,10)"

(Wahlspruch des Ordens)

Die immerwährende Ausrichtung auf Gottes Gegenwart, seine Wahrnehmung im "leisen Säuseln", das Geführt-werden durch die Wüste des eigenen Lebens zum Berg der Gottesbegegnung waren biblische Elemente, die in der Karmelspiritualität eine tiefe geistliche Bedeutung bekamen, wie man an den allegorischen Deutungen Elia`s in der Ordensliteratur bis in 16. Jh. hinein sehen kann.
Besondere Beachtung findet nach wie vor die so genannte "Geistliche Regel des Karmel", das erste Buch des "Buches der ersten Mönche", das ca. 1370 vom Provinzial der Katalanischen Ordensprovinz, Philipp Riboti, verfaßt wurde. Als Auslegung des Schriftwortes 1 Kön 17,1-4 formuliert es das Ziel karmelitanischen Lebens folgendermaßen:

"Dieses Leben hat ein zweifaches Ziel. Das eine können wir mit Hilfe der göttlichen Gnade durch eigene Anstrengung und durch Übung derTugenden erreichen. Es besteht darin, Gott ein reines und heiliges Herz anzubieten, das frei ist von Sünde ... Das andere Ziel dieser Lebensweise wird uns als unverdientes Geschenk von Gott gegeben ... schon in diesem Leben, die Kraft der göttlichen Gegenwart und die Freude der himmlischen Herrlichkeit in unseren Herzen verkosten und in unserem Geist erfahren zu dürfen."

"Unsere Lebensweise wirst du erst dann vollständig erfassen können, wenn du dich unter Einsatz aller deiner Kräfte um diese Erfahrung bemühst."

  • Maria
    Die Verehrung Marias scheint von Anfang an im Orden bestanden zu haben, denn schon das erste Heiligtum auf dem Berg Karmel war ihr geweiht. Die ersten Karmeliten stellten ihre Gemeinschaft unter den Schutz der Gottesmutter und nannten sich nach ihr "Brüder unserer lieben Frau vom Berge Karmel". Bis heute hat sich diese Bezeichnung im offiziellen Titel des "Ordens der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel" erhalten. So wird der 16. Juli als Hauptfest des Ordens begangen. Maria gilt in den Grundhaltungen, die uns das Evanglium von ihr überliefert, als Vorbild eines kontemplativen Menschen.
    In ihrem Fiat "Mir geschehe, wie Du es gesagt hast." kommt ihre Hingabe, Offenheit und Verfügbarkeit gegenüber dem Willen Gottes zum Ausdruck. Sie bewegt alle Worte des Herrn in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Sie geht in Treue den Weg Jesu mit bis ans Kreuz, im reinen Glauben, ohne zu begreifen. Jede Karmelitin ist bemüht, wie Maria diese Haltungen in ihrem Leben zu verwirklichen und bekundet dies durch das Tragen des Skapuliers. Das Scapulier (ein Schulterkleid) ist ein Sakramentale, das der Legende nach auf den Sl. Ordensgeneral Simon Stock zurückgeht und als ein Zeichen der Liebe zu Maria die Verpflichtung beinhaltet, sich um ihre Tugenden zu bemühen.



























3. Spiritualität unserer Ordenseltern






  • Teresa von Jesus
    (28. März 1515 in Avila ; 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes)

Um die lebendige Spiritualität Teresas zu erfassen, greift man am besten selbst zu ihren Werken. In ihrer unmittelbaren, lebendigen Sprache sind sie eine Schule des Gebetes und ein ergreifendes Zeugnis der intensiven Beziehung Teresas zu Gott, zur Menschheit Christi. Sie bekunden ihr Temperament, ihren Realitätssinn, aber vor allem ihr selbstloses Leben aus dem Glauben.An erster Stelle sei ihre Lebensbeschreibung "Libro de la Vida" zu nennen, die bis zur Gründung ihres ersten Reformklosters San Jose in Avila 1562 reicht. In gewisser Weise wird dieses Buch durch die "Fundaciones - Buch der Klostergründungen" ergänzt.
Die bedeutensten Zeugnisse für Teresas Spiritualität sind natürlich neben den vielen hundert erhaltenen Briefen, der "Camino de perfección" und die "Moradas".




















"Der Weg der Vollkommenheit" ist ein Opus, das Teresa in den Jahren 1566-1567 in San Jose/Avila für ihre Schwestern verfaßte und in denen sie ihnen in der Art eines Vater-unser Kommentars die wichtigsten Tugenden und die Art und Weise des mündlichen und des betrachtenden Gebetes erläutert.
In der "Inneren Burg" oder in den "Wohnungen" beschreibt sie die Seele als eine Burg, in deren Mitte Gott selbst gegenwärtig ist. Es ist eine Einladung, sich auf die Reise ins eigene Innere zu begeben, um Gott zu begegnen. Dieses Werk ist das reifste Teresas. Sie schrieb es 1577. Neben diesen Schriften hat sie noch zahlreiche kleinere Opera und auch Gedichte verfaßt. Alle Werke sind in deutscher Sprache zugänglich. Wir gegeben durch unseren Buchversand gerne darüber Auskunft.











Einige Aphorismen aus dem Werken Teresas:


"Unsere Natur ist so abgestumpft, daß wir gern nur dem nachgehen, was wir vor uns gegenwärtig sehen (V 10,6)."

"Wenn einer sich um Dinge kümmert, um die er sich gar nicht zu kümmern hat, wird er natürlich seine eigentlichen Aufgaben nur unvollkommen verrichten können (C 34,5)."

"Was kauft man denn mit dem Geld, nach dem wir verlangen? Ist es etwas Kostbares, etwas Dauerhaftes? Oder wozu wollen wir es? Ach, eine erbärmliche Ruhe ist es, die uns so teuer zu stehen kommt! Oft handelt man sich durch Geld die Hölle ein und erkauft sich damit ein unauslöschliches Feuer und eine Qual ohne Ende. O daß doch alle Menschen das Geld für nutzlosen Erdenstaub hielten! Welch friedliche Ordnung herrschte dann in der Welt, und wie viele Sorgenlasten wären daraus verbannt! Wie freudschaftliche würden die Menschen untereinander verkehren, wenn sie frei von Ehr- und Geldsucht wären! Ich glaube, allem würde damit abgeholfen sein (V 20,27)."

"Wie verschieden kann unser menschlicher Wille vom Willen Gottes sein; Gott will, daß wir uns nach dem Ewigen ausstrecken - wir beugen uns zu den Dingen herunter, die vergänglich sind! Er will, daß wir nach großen und hohen Werten streben - wir aber hängen uns an das Niedrige und rein Irdische! Er möchte, daß wir das suchen, was allein Sicherheit gibt - wir aber lieben das Fadenscheinige (C XLII, 4)."

"Das Sicherste ist, nichts anders zu wollen, als was Gott will; denn er kennt uns besser als wir selbst und liebt uns. Legen wir uns in seine Hände, damit sein Wille in uns geschehe; und wir werden nicht irren, wenn wir mit entschlossenem Willen uns immer hieran halten (C VI 9-V)."

"Wer nicht wächst, schrumpft ein. Ich halte es für unmöglich, daß die Liebe sich damit begnügt, ständig auf der Stelle zu treten (C VII 4-V)."

"Ich überlegte mit einmal, aus welchem Grund wohl unser Herr so sehr die Tugend der Demut liebte, und da kam mir - wie es mir schien nicht aus Überlegung, sondern ganz unvermittelt - die Einsicht: weil Gott die höchste Wahrheit, die Demut aber nichts anderes ist, als in der Wahrheit wandeln. Denn es ist gewißlich wahr, daß wir nichts Gutes von uns selber haben, sondern nur Armseligkeit und Nichtigkeit. Und wer dies nicht erkennt, der wandelt in der Lüge. Je mehr einer das begreift, desto mehr entspricht er der höchsten Wahrheit, da er in ihr wandelt (C VI, 11-V)."

"Es ist etwas großes um die Wissenschaft; denn diese unterweist uns, die wir wenig wissen; sie erleuchtet uns; und sind wir durch sie zur Kenntnis der Wahrheit der Heiligen Schrift gelangt, so tun wir auch was wir schuldig sind. Vor albernen Andachten aber bewahre uns Gott (V 13, 16-A)!
















































  • Johannes vom Kreuz (1542 in Fontiveros -1591 in Ubeda)





1563 Eintritt in den Karmel von Medina del Campo

1564-68 "Bruder Johannes vom hl. Matthias" studiert in Salamanca Philosophie und Theologie. Er faßt den Entschluß, in den strengeren Orden der Karthäuser einzutreten.

1567 Priesterweihe. Es kommt zur ersten Begegnung mit Teresa von Avila, die ihn als Mitarbeiter für die Reform des Karmelitenordens gewinnt.
Gründung des ersten Reformklosters in Duruelo. Bis zu seinem Lebensende entstehen über 50 Klöster der s.g. Unbeschuhten Karmeliten. Johannes, der sich von nun an "vom Kreuz" nennt, wirkt an verschiedenen Orten als Rektor, Novizenmeister und geistlicher Führer.

1572-77 Seelsorger und Beichvater im Kloster der Menschwerdung in Avila. Dorthin berief in Teresa, als sie zur Priorin dieses Klosters ernannt wurde.
Der Konflikt zwischen beiden "Zweigen" der Karmeliten spitzt sich zu. Johannes wird von den Beschuhten entführt und 9 Monate im Klostergefängnis von Toledo unter menschenunwürdigen Verhältnissen gefangengehalten. In dieser Zeit wertvoller geistlicher Erfahrungen entstehen einige seiner schönsten Gedichte; seine kontemplative Berufung festigt sich.

1582-88 Nach dem Tod der "fundadora y madre" Teresa wirkt Johannes an verschiedenen Orten Andalusiens als Rektor, Spiritual und Prior.

1588 Prior des Reformklosters in Segovia.

1591 Johannes vom Kreuz stirbt aller Ämter enthoben und "verachtet" in Ubeda.




























Hier einige Aphorismen
aus dem Werken des Johannes vom Kreuz:

Willst du alles genießen, dann suche in nichts den Genuß.
Willst du alles besitzen, dann nenne nichts dein eigen.
Willst du groß werden, dann suche, nichts zu sein.
Willst du alles wissen, dann suche, in nichts etwas zu wissen.
Willst du zu dem kommen, wonach du dich sehnst, dann geh dorthin, wo du keinen Genuß findest.
Willst du erfahren, was du nicht weißt, dann geh dorthin, wo du unwissend bist.
Willst du erlangen, was du nicht besitzt, dann geh dorthin, wo dir alles fehlt.
Willst du werden, was du nicht bist, dann geh dorthin, wo du nichts bist.
(S 1,13,11)

Danach trachte allezeit, daß du geneigt bist:
nicht zum Leichteren, sondern zum Schwierigeren;
nicht zum Angehmeren, sondern zum Unangenehmeren;
nicht zu dem, was dir gefällt, sondern zu dem, was dir weniger gefällt;
nicht zum Tröstlichen, sondern zum Betrüblichen;
nicht zum Mehr, sondern zum Weniger;
nicht zum Höheren und Wertvolleren, sondern zum Minderen und Wertloseren;
nicht dahin, etwas zu wünschen, sondern dahin, nichts zu wünschen.
Streben in den Dingen dieser Welt nicht nach dem Besseren, sondern um Christi willen nach Verzicht, Entbehrung und Armut.
(S 1,13,6)

"Der Fortschritt im geistlichen Leben ist nicht möglich ohne Nachfolge Christi. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben sowie auch die Pforte, durch die jeder eintreten muß, der gerettet werden will. Wer auf bequemen Wegen wandeln und die Nachfolge Christi fliehen will, besitzt keinen guten Geist (Kl. Schriften 70).

"Wenn der göttliche Odem, der Heilige Geist, die Seele erfaßt, dann entflammt Er sie, erfreut und belebt sie und regt den Willen sowie auch die Begierden, die vorher lässig und schlaff waren, zur Liebe Gottes an. Der Heilige Geist ist es, der in der Seele die Liebe zum Bräutigam erhält und vermehrt." (GG 144)

Ein Wort hat der Vater gesprochen und das war sein Sohn und er spricht dieses immerfort im ewigen Schweigen; und im Schweigen soll es von der Seele vernommen werden.




















































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